Presse/Damals

Rhein – Neckar Zeitung vom 14.10.2009

Das Bahnbetriebswerk als „Kreativzentrum”

 

             Derzeit werden neben dem alten Bahnbetriebswerk Kanalarbeiten ausgeführt. Irgendwann soll das Gemäuer selbst saniert werden, damit dort ein sozio-kulturelles Zentrum entstehen kann. Der Jugendgemeinderat will ein selbstverwaltetes und nicht-kommerzielles Konzept. Foto: Kresin

 

             Derzeit werden neben dem alten Bahnbetriebswerk Kanalarbeiten ausgeführt. Irgendwann soll das Gemäuer selbst saniert werden, damit dort ein sozio-kulturelles Zentrum entstehen kann. Der Jugendgemeinderat will ein selbstverwaltetes und nicht-kommerzielles Konzept. Foto: Kresin

Von Steffen Blatt.

Heidelberg. Es gibt zu wenig Räume in Heidelberg – für Jugendliche, die Musik, Kunst, Partys machen oder sonst wie kreativ sein wollen. Abhilfe soll das alte Bahnbetriebswerk zwischen der Wieblinger Siedlung Ochsenkopf und dem Pfaffengrund schaffen. In dem Gebäude auf dem Gelände der Bahnstadt soll ein soziokulturelles Jugendzentrum entstehen. Jetzt hat der Jugendgemeinderat (JGR) seinen Vorschlag für ein Nutzungskonzept beschlossen.

Gleich in der Einleitung wird deutlich, was sich die Jugendlichen vorstellen: Es soll kein professioneller Träger das Bahnbetriebswerk übernehmen, das Angebot soll in Selbstverwaltung entstehen und unkommerziell sein. Jugendlichen – aber auch Erwachsenen – soll die “eigenständige Organisation und Umsetzung eines Kultur- und Politikprogramms” ermöglicht werden, heißt es in dem Entwurf. Das alte Gemäuer soll ein “Kreativzentrum” werden, das “Freiraum zum Entstehen neuer Ideen lässt”.

Die Organisation soll ein Trägerverein übernehmen, der auch alle wesentlichen Entscheidungen trifft. Programmgestaltung, Finanzen, Instandhaltung und Öffentlichkeitsarbeit von Arbeitsgruppen übernommen werden. Für den Jugendgemeinderat kommt dafür nur der vor Kurzem gegründete “Bahnbetriebswerk – Verein für kulturellen Freiraum” in Frage. Das machten die Jugendvertreter auch durch die Bewilligung von 1000 Euro aus ihrem Budget deutlich, mit denen sie die Arbeit des Vereins unterstützen. Dass es nicht ganz ohne professionelle Hilfe geht, sehen aber auch die Jugendlichen ein. Darum sieht ihr Konzept eine Vollzeitkraft für die Finanzen und eine Hausmeisterstelle vor.

Tragen soll sich das Bahnbetriebswerk weitestgehend selbst. Da es aber gerade auch ein Platz für Veranstaltungen sein soll, bei denen es nicht auf den Gewinn ankommt, sollen regelmäßig größere Events stattfinden, die eine weitere Zielgruppe ansprechen. Die Kosten für Ankauf, Sanierung und Verkehrsanbindung (die wird über die Eppelheimer Straße erfolgen) soll die Stadt tragen. Bei der Instandsetzung sollen die Vereinsmitglieder möglichst viel mit anpacken, die einzelnen Aufträge sollen an Handwerker vor Ort vergeben werden und an Beschäftigungsunternehmen, die Jugendliche und Langzeitarbeitslose qualifizieren. Außerdem wird der Dialog mit den Anwohnern betont.

Ob das endgültige Nutzungskonzept wirklich einmal so aussieht, ist jedoch fraglich. “Unserer Meinung nach soll es eine größere Einbindung von Profis geben”, sagte Hans-Martin Mumm, der Leiter des Kulturamts, der RNZ. Auch sieht er den “Freiraum”-Verein nicht automatisch als Träger. “Wir werden die Trägerschaft ausschreiben, dann kann sich der Verein selbstverständlich bewerben”, so Mumm. Am Ende kommt es auf die städtische Arbeitsgemeinschaft an, in der die Jugendvertretung mit einem Mitglied vertreten ist. “Der Jugendgemeinderat wird sein Papier dort einbringen, und wir werden das Gremium wiederum über unsere Sicht informieren”, erklärt der Amtsleiter. Um seine Position in der städtischen AG zu stärken, beschloss der JGR außerdem, Oberbürgermeister Eckart Würzner um einen weiteren Sitz darin zu bitten.

Überhaupt scheinen die Jugendlichen zu befürchten, dass das ganze Projekt am Ende am Geld scheitern könnte. Denn sie fügten ihrem Papier noch einen Passus an, der besagt, dass das Nutzungskonzept nicht an das Bahnbetriebswerk gebunden, sondern auch auf andere Gebäude übertragbar ist. Derzeit ermittelt ein Architekt die Kosten für die Sanierung des Gemäuers. Belastbare Zahlen gebe es aber noch nicht, sagt Mumm. Persönlich sagt dem Kulturamtsleiter das Projekt aber durchaus zu: “Das hat Charme. Das Bahnbetriebswerk muss erhalten werden, und da kommt eigentlich nur eine kulturelle Nutzung in Frage.”

Wie die allerdings aussehen wird, darüber dürfte es noch jede Menge Diskussionen geben, vor allem zwischen den Jugendlichen und der Stadt. Den vorletzten Satz in seinem Vorschlagspapier will der JGR darum wohl auch als Warnung verstanden wissen: “Sollte das Bahnbetriebswerk einfach zu noch einem herkömmlichen Partyschuppen (…) werden oder einer weiteren städtisch verwalteten Jugendeinrichtung, in der junge Kultur bevormundet wird, dann ist das nicht nur furchtbar schade um das verschwendete Potenzial, sondern auch vollkommen am bestehenden Bedarf vorbeigearbeitet.”

24. Oktober, Samstag ab 13 Uhr – Erhebung II

Wir meinen es mit „Sub“kultur ernst und verziehen uns am Samstag 24. Oktober von 13 bis 19 Uhr mit einigen Stellwänden unter die Erdoberfläche in die Unterführung am Adenauerplatz. Das Konzept ist das selbe geblieben.

Junge Künstler aus Heidelberg und Umfeld zeigen für einen Tag im öffentlichen Raum ihre Kunst.

Mit von der Partie sind diesmal völlig andere Werke von teilweise anderen Künstlern und vielleicht ein bisschen Musik.

Alle reden vom Freiraum, wir machen ihn.

18. Oktober ab 11 Uhr vor dem Theaterkino

Wir sind beim Stadtgespräch da und verteilen Flyer. man hat ja in HD ein subkulturelles Defizit festgestellt. Wir zeigen, dass es auch anders geht. Eine Petition steht auch zum Unterschreiben bereit. 

 Samstag, 26. September, Uhrzeit wird noch bekanntgegeben, Heidelberger Herbst, Vereinsbühne an der Jesuitenkirche (Merianstraße)

DAGO performt 20 Minuten live, währenddessen Graffitiaction, den ganzen Tag lang Infostand von den Bahnbetriebswerklern und Jugendgemeinderat.

Sonntag, 20. September, 18 Uhr, Bergheimer Str. 69

An diesem Sonntag treffen wir uns um dem Konzept zur zukünftigen Nutzung des Bahnbetriebswerks den letzten Schliff zu geben. Auch DU bist herzlich eingeladen deine Ideen miteinzubringen! Letzte Chance für diese Fassung des Konzepts… eine weitere wird ggf. später im Jahr folgen. Wir warten auf eure Hilfe!

Samstag, 19. September, 12 Uhr Bismarckplatz

Fotos hier

Erhebung – weil die Heidelberger Kulturszene neue Räume benötigt, Etablissement Starrsinn erzeugt und neue Impulse durch unkommerzielle Kunsthäuser kommen. Diesen Prozess möchten wir zusammen mit lokalen Künstlern anstoßen. Verschiedene junge Künstler stellen am nächsten Samstag auf dem Bismarckplatz ihre Werke aus.Immer wenn die Sonne scheint und Wochenende ist geben wir auf unserer Homepage recht kurzfristig bekannt ob auf dem Bismarckplatz, Uniplatz oder in der Hauptstraße eine Ausstellung (natürlich kostenlos) stattfindet.

Kommentare
  1. Markus sagt:

    Wie steht ihr zur Villa? Warum wird sie mit keinem Satz auf euerer Seite erwähnt, obwohl sie genau euer Konzept fährt? Seht ihr euer Vorhaben als “Ersatz” für eine Villa oder als eine Ergänzung?

    Wo kann man die Satzung eures Vereins einsehen? Wenn ihr es mit Mitarbeit ernst meint müsst ihr euer Struktur transparenbt machen.

    MfG
    markus

  2. bahnbetriebswerk sagt:

    hai!
    danke für die Anmerkungen!

    Wir werden uns das dann mal zu Herzen nehmen und die Satzung auf Forum oder Seite online stellen.
    Vom Gerüst ist die Struktur auch um einiges ausführlicher im Nutzungskonzept aufgeschrieben und das findet man im Forum.

    Was wir möchten ist keine Villa in groß. Unser Kulturverständnis unterscheidet sich glaube ich von dem der Villianer wesentlich.
    In der Villa ist Politik und Diskussion kaum präsent, Proberäume gibt es (aus Platzgründen wahrscheinlich), genauso wie Ateliers nicht.
    Die Struktur der Villa ist nicht so offen wie wir es uns für unser Zentrum wünschen.
    In der Villa ist zwar sicherlich nicht Professionalität angesagt, doch blutige Anfänger sind dort eher selten am Werk.

    Unser Anspruch ist es ein viel breiteres Spektrum von Bedarf abzudecken und auch völlig Ahnungslose als Künstler absolut zu respektieren.
    Im Bahnbetriebswerk können auch die Leute, die in der Villa Kunst machen aktiv sein, aber eben nicht nur die.
    Wir sind auf der Suche nach einem breiteren freikünstlerischen, überhaupt kulturellen Ansatz, der Dilettantismus und Politik akzeptiert bzw. beinhaltet.

    Doch der Einwand ist wichtig, da wir oftmals von verschiedenen Seiten über den selben Kamm geschert werden und schon der Gedanke bestand in einem text uns von Villa und AZ abzugrenzen -wobei wir beiden nicht feindlich gegenüberstehen

    Feel free zur Kritik,
    nicolas

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